Das über Jahre hinweg unbewohnte Haus steht im Jüdischen Viertel von Hohenems – direkt gegenüber ist die frühere Synagoge der jüdischen Gemeinde. Seine Ursprünge reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück, seinen Namen verdankt es Hirsch Josef Levi (= Hirschfeld), dem Besitzer Mitte des 18. Jahrhunderts.
Es steht unter Denkmalschutz.
Städtebaulich markiert das Haus als Solitär den Salomon-Sulzer-Platz und verbindet historisch gesehen über die Mondscheingasse das Jüdische Viertel mit der christlichen Marktgasse. Es repräsentiert sich zum Platz hin mit einem vornehmen Gesicht, währenddessen die anderen Fassaden zurückhaltend – nur mit notwendigen Öffnungen versehen – ihren Dienst verrichten. Man hätte jederzeit direkt anbauen können. Das Haus hat sich aus Altersgründen vornehm zur Straße hin verbeugt – um 30 Zentimeter bezogen auf die Gebäudehöhe. Diese respektvolle Geste wurde erhalten – umso mehr war der Fensterbauer in seinen Fähigkeiten gefordert.
Der konstruktive Aufbau ist während der Umbauarbeiten deutlich geworden. Das Erdgeschoß ist massiv in einem Meter dicken Bruchsteinmauerwerk ausgebildet – um zu Tragen und dem Alltag zu trotzen. Im hinteren Teil sind Gewölbe aus Tuffstein, der klimatisch für die Lagerung von Lebensmitteln von Vorteil war. Darüber eine Mischbauweise aus Holzständerbau und ausfachenden Bruchsteinen, sozusagen als Bindeglied zur darüberliegenden Holzkonstruktion – je höher desto leichter. Die Renovierung macht dies sichtbar.
Die vorhandene Grundriss Einteilung wurde aufgrund ihrer konstruktiven und funktionellen „Richtigkeit“ beibehalten, lediglich der Kern wurde mit übereinanderliegenden Nasszellen – die zuvor als Toilette mit Waschbecken angebaut waren – versehen. Dem aufmerksamen Benutzer des Hauses fällt auf, dass die einzelnen Räume nach oben hin weniger Geschoßhöhe, dafür etwas größere Fläche aufweisen – ihre Proportion verändert sich.
Die baufällige Holztreppe musste einer dem Brandschutz entsprechenden Stahlstiege weichen.
Im früheren Dachboden hat eine Dachwohnung ihren Platz gefunden. Der vorgeschlagene rückseitige Balkon wurde vom Denkmalamt abgelehnt, hätte jedoch die funktionelle Veränderung nach Außen zeitgemäß abgebildet.
Derzeit ist im Erdgeschoß eine Weinbar, in den zwei Obergeschoßen sind Büros des neuen Besitzers und im Dachgeschoß die erwähnte Wohnung. Jederzeit können die beiden mittleren Geschoße als Wohnung benutzt werden.
Der für Architekten gewohnte Vorgang des Vorausplanens hat während der Renovierungsarbeiten zunehmend zu einer Tätigkeit des ständigen Reagierens geführt – die ursprüngliche Planung ist einer Anpassung an die Voraussetzungen gewichen. Das Haus wurde zum Lehrmeister und der Architekt zum Schüler.